Gruppe

Nachruf

Thomas Heising – der Optiker, der eigentlich keiner war

Den meisten dürfte Thomas unter dem Stichwort Materialzentrale der VdS bekannt gewesen sein. Er war der Erste, der in Deutschland Material für interessierte Spiegelschleifer und Hobbyoptiker schon in den frühen 90ern angeboten hat, lange bevor das Schleifen von Spiegeln in der Hobbyszene Fahrt aufgenommen hatte.

Thomas war von Beruf Lehrer. Vor allem war er Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn eigentlich wollte er lieber Optiker werden. Aber wie es so oft im Leben ist, kommt es einfach anders. Und so gibt es Gegebenheiten, die  manchmal Wünsche und Ziele in eine andere Richtung lenken. Und wenn man nicht die berufliche Bahn einschlagen kann, die man sich am liebsten wünscht, so bleibt einem ja immer noch ein intensives Hobby. Und genauso kam es. Im Keller seines Reihenhauses in Oschersleben hatte er den Traum eines jeden Hobbyoptikers eingerichtet. Neben den ganzen Geräten und Messinstrumenten, wie Kreuztischen, Foucault-Testern und Bath-Interferometern, beherbergte dieser Keller sämtliche Materialien zum Bau und Testen von Spiegeloptiken und das Herzstück, seine Schleifmaschine. Diese hatte er sich mit Hilfe einiger Metallbauer selbst konstruiert. Und zwar so, wie er es bei Zeiss gelernt hatte. Sein Hobby ging so weit, dass er in den Ferien freiwillige Praktika in den Werkstätten von Zeiss absolvierte. Er wollte unter anderem den Schliff von Planoptiken perfektionieren.

Und auch im Zuge seiner Beschäftigung als Lehrer verband er seine Passion gerne mit seinem Beruf. Er bot Astronomie-Unterricht an und brachte die Herstellung von Optiken interessierten Kindern seiner Klassen näher. In seiner Freizeit! Wer ihn näher kannte, wusste von seinem trockenen Humor. Fragte man ihn, wie er das alles unter einen Hut bringt, bekam man Antworten wie: „Meine Frau wusste, worauf sie sich einlässt …“ Besonders Teleskophändler mussten viel Toleranz aufbringen, wenn er auf den unzähligen Teleskoptreffen mit seinem Planspiegel und Foucault-Tester die Optiken neugieriger Hobby-Astronomen begutachtete. In der Szene war er diesbezüglich berühmt-berüchtigt, weil er die Wahrheit darüber, ob eine gute oder schlechte Qualität vorlag, genauso trocken präsentierte wie seinen Humor. Das dürfte vielen Händlern in Erinnerung bleiben. Thomas liebte es, Menschen um sich zu haben und ihnen die Astronomie oder auch die Optik näher zu bringen. So war er auch ein sehr aktiver Sternengucker und hat sich auch am Aufbau der Quedlinburger Sternwarte beteiligt, aber vor allem war er äußerst eifrig dabei, eigene Spiegel, Linsen oder Objektive herzustellen. Es waren an die 30 Optiken. Und sicherlich einige mehr, an denen er zumindest mit Tipps beteiligt war.

Ich persönlich lernte ihn näher kennen, als ich ihn im Jahr 2003 zu einem Spiegelschleifkurs an die Sternwarte Rostock einlud. Daraufhin blieben wir lose in Kontakt, und ich besuchte ihn öfters in Oschersleben und freute mich jedes Mal, seine Werkstatt zu sehen und seine Geschichten zu hören.

Ich werde die Zeit mit ihm sehr vermissen und wünsche seiner Familie, Freunden und Bekannten die Kraft, die schwere Zeit zu überstehen und ihn in positiver Erinnerung zu behalten. Vielleicht gibt‘s im Himmel eine kleine Ecke, in der er seine Schleifmaschine aufbauen und weitermachen kann.

Nils Eggert



Meldung aus der Fachgruppe

Die  Fachgruppe  hat  sich  vor  fast  zwei  Jahren neu formiert und damit auch den Webauftritt  neu  gestaltet.  Neben  vielen  wertvollen   Artikeln   zur   Anwendung   und Auswahl eines Teleskops nimmt der Selbstbau  weiterhin  den  größten  Raum  ein.  Ergänzt  wird  die  neue  Webseite  durch  die  Rubrik  „Geschichte“,  in  der  Artikel  über  historische  Teleskope  und  berühmte   Persönlichkeiten   zur   Teleskopgeschichte  zu  finden  sind.  Die  Galerie  mit  Bildern  zum  Selbstbau  konnte  von  der  alten  Webseite  übernommen  werden, sie wurde mit weiteren neueren Bildern ergänzt.

Die  Webseite  ist  mit  fast  1.200  Bildern  und  mehr  als  100  Artikeln  ein  schöner  Fundus, um Anregungen für seine eigenen  Projekte  zu  finden.  Die  Zugriffsstatistik zeigt uns, dass die Webseite auf Interesse   stößt.   Seht   selbst.   Während   früher  die  Selbstbauprojekte  durch  mechanische    Konstruktionen    dominiert    waren,   finden   wir   heutzutage   immer   mehr die Elektronik und neuerlich auch den  3D-Druck  als  bedeutende  Elemente.  Gerade  der  3D-Druck  hat  durch  die  Angebote  kostengünstiger  Drucker  große  Fortschritte  gemacht  und  bietet  uns  im  Selbstbau  ganz  neue  Perspektiven  in  Richtung Individualität und Komplexität.

Daher  möchten  wir  diesen  Selbstbauprojekten natürlich auch auf der Webseite  einen  Raum  geben  und  CAD-Zeichnungen  für  den  3D-Druck  aufnehmen.  Wer schon Bauteile im 3D-Druck konstruiert und gedruckt hat, kann uns gerne die Druckdatei mit einem Bild vom fertigen  Teil  und  einer  Kurzbeschreibung  der Verwendung schicken. Wir nehmen es gerne auf die Webseite. Einsendungen bitte an Andreas Berger

Nachruf

Österreichischer Optik-Spezialist verstorben
Alois Ortner, 1938 als Bauernsohn in Kärnten geboren, verstarb am 6. September 2019 nach längerer Krankheit in seinem Heimatort Mäder in Vorarlberg. Alois hatte schon als Jugendlicher großes Interesse an Optik. In den 1960er-Jahren machte er relativ spät seine Lehre als Feinoptiker. Später legte er in Mäder auch seine Meisterprüfung ab. Bei einer großen optischen Firma in Heerbrugg war er als Fachmann für die Lösung schwieriger Probleme zuständig, auch dann, wenn es um hochpräzise optische Teile für Satelliten oder das Weltraumteleskop ging.

Als Ehrenmitglied des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut nahm Alois Ortner – solange es seine Gesundheit zuließ – stets am Astronomie-Workshop teil und stand mit fachkundigem Wissen jedem zur Seite, der ihn um Rat fragte. Auch bei vielen deutschen Fernrohrbauern war Alois gut bekannt und beliebt.

Alois Ortner ist am Himmel verewigt – der Kleinplanet (367488) Alois Ortner wurde 2014 von der Weltraumbehörde NASA nach unserem lieben Kollegen benannt, weil er dort einen ausgezeichneten Ruf als Feinoptiker und Berater in optischen Fragen genoss. Für die hier zu lesenden Informationen vielen Dank an Udo Peter, den Obmann der Vorarlberger Amateurastronomen, bei denen Alois Ortner langjähriges Mitglied war. Wir werden Alois in bester Erinnerung behalten und sprechen hiermit auch seiner Familie unser Mitgefühl aus.

Peter Riepe



Treffen der FG Amateurteleskope/Selbstbau auf der BoHeTa 2019
Teleskoptreffen und Tagungen bieten immer wieder gute Möglichkeiten für gemeinsame Gespräche und Ideenaustausch. So haben sich einige Interessenten zum Thema Selbstbau auf der BoHeTa am 9. November 2019 getroffen. Die Teilnehmer waren zumeist der Meinung, dass der klassische Selbstbau eine andere Sichtweise bekommen hat. So stehen nicht mehr die Kosten beim Selbstbau von Teleskopen und Montierungen im Vordergrund, sondern eher die Modifizierung an erworbenen Beobachtungsgeräten. Es besteht aber auch das Interesse, Teleskopspiegel selbst zu schleifen. Gleichzeitig gab es die Information, dass einige Spiegelrohlinge verfügbar sind. Wer also Interesse hat, seinen Teleskopspiegel selbst (aber nicht alleine) zu schleifen, melde sich bitte per E-Mail bei dem Fachgruppenleiter Andreas Berger.

Für den Austausch innerhalb der Fachgruppe wird eine neue Mailingliste eingerichtet. (s. unten) Dabei hoffen wir auf eine bessere Steuerung der Nachrichten für die einzelnen Teilnehmer, so dass kein Diskutant übermäßig viele Nachrichten bekommt. Ein wichtiger Hinweis dazu: Es wird keinen automatischen Transfer der Teilnehmeradressen aus der alten Mailingliste in die neue geben.

Hubert Hermelingmeier

 
 

Mailingliste
Für die interne Kommunikation der Fachgruppenmitglieder gibt es eine Mailingliste.
Interessenten melden sich bitte per E-Mail bei dem Fachgruppenkoordinator Andreas Berger

Wir freuen uns über das Interesse.

Regeln: Die Mailingliste der Fachgruppe dient ausschließlich dem fachbezogenen Austausch und auch zur Mitteilung von Terminen und Fakten aus dem Bereich der VdS. Kommerzielle Inhalte sind nicht erwünscht. Für die Gruppe gelten die üblichen Verhaltensregeln. (Wahrung der Persönlichkeit, keine Diskriminierungen, etc.)
Für die Mitwirkung in der Gruppe muss man kein VdS-Mitglied sein. Wir würden uns natürlich über einen Beitritt freuen. Die Mitgliedschaft beinhaltet für einen relativ geringen Jahresbeitrag von 40 Euro auch das Abo unseres VdS-Journal für Astronomie, in dem wir regelmäßig Artikel aus den Reihen unserer Fachgruppe veröffentlichen.

Teleskoptreffen, Messen, Tagungen
Teleskopreffen sind immer eine gute Gelegenheit, Selbstbauprojekte kennenzulernen, Impulse für eigene Projekte zu finden und sich innerhalb der Fachgruppe auszutauschen.
Nicht zu vergessen, dass auch bei Messen und Tagungen (z.B. ATT und BoHeTa) Selbstbau mit eine Rolle spielt: Entweder als ausgestellte oder käuflich zu erwerbende Instrumente und Zubehör oder in Form von Vorträgen.